Wundersames...

Die Reise nach Israel hatte einen offiziellen/ dienstliche Hintergrund. 20 Lehrer aus ganz Sachsen sollten vor Ort über die "Shoah" - die Ermordung von über 6 Millionen europäischen Juden ab 1942 umfassend informiert werden. Die Gedenkstätte YAD VASHEM erstreckt sich auf einem Hügel über eine riesige Fläche. Die verschiedenen Formen des jüdischen Widerstandes und Leidens werden in zahlreichen Denkmalen und Gedenkstätten gewürdigt. Diese entstanden ab den 1960er Jahren - und es gibt weitere Pläne für die Zukunft.

Nun ist das Thema für Deutsche besonders belastend. Wurde und wird uns doch von Kindesbeinen an die Kollektivschuld vermittelt und aufgebürdet. Auch die Vorbereitung hier in Deutschland war genauso angelegt. Nun waren wir also da mit all den Schuldgefühlen. Und da geschah etwas äußerst Verwunderliches: Niemand machte uns Vorwürfe, nicht einmal unterschwellig oder hintergründig! An 8 prall gefüllten Tagen wurden uns Neuigkeiten und Sichtweisen nahegebracht, die die Vermittlung dieses Stoffes durch uns beteilgte Lehrerinnen und Lehrer im Geschichts-, Ethik- , Religions- und Deutschunterricht massiv verändern werden. Das Leben der Ermordeten steht im Mittelpunkt, nicht Grausamkeiten und die Perfidität der faschistischen Vernichtungsmaschinerie! Die Begegnung mit insgesamt 5 Überlebenden (3 Frauen, 2 Männer) waren dann psychisch für uns alle doch extrem belastend. Aber selbst hier nicht die Spur eines Vorwurfes an uns als Deutsche!

Eine weitere ganz wichtige(unterschwellig bekannte) Tatsache wurde intensiv vertieft:  den Antisemitismus gab es schon lange vor den Nazis  und er war mit Kriegsende nicht plötzlich verschwunden! Im Gegenteil: erschütternde Beispiele aus Polen und Großbritannien waren mir so bisher nicht bekannt. Für das selbstgeißelnde offizielle deutsche Geschichtsbild ein Tabuthema...

Die größte Fläche steht in Yad Vashem für die Ehrung der "Gerechten unter den Völkern" zur Verfügung. Das sind Personen, die durch ihr Handeln Juden vor der Ermordung bewahrt haben bzw. diese verzögert/ hinausgeschoben haben. Über 24000 Namen und Geschichten sind geprüft und anerkannt. Und für jeden wurde und wird auf dem Hügel ein Baum gepflanzt...

Mein erstes Fazit nach dieser Reise:Die Medien in Deutschland verfahren mit Informationen über Israel/ die gesamte Region Naher Osten wie mit Arabien: Nur das Nötigste für "das Volk, den großen Lümmel" (H. Heine) und dann möglichst Abschreckendes und Demütigendes...


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Kommentare

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  1. Mari schreibt:

    Danke Rainer, danke für diese Zeilen!


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