Bedrohliches
Lange nicht gelesen- und doch wiedererkannt! In der Heimat tut sich auch so manches, deshalb aus aktuellem Anlass der folgende Text.
Unerwartetes & Unglaubliches
Das Wetter zu Pfingsten war ja glücklicher Weise noch ganz erträglich. So zog es folgerichtig viele, viele Ausflügler in Gottes freie und wunderbar grüne Natur. Ich war auch unterwegs- mit meiner Tochter und den Fahrrädern. Unter anderem führte uns die Runde auch nach Stenz an die alte „Grünmetze“. Und was sahen meine erstaunten Augen dort? Völlig intakte Hinweisschilder wiesen auf den „Gondelbetrieb vom 1. April bis 31. Oktober“ hin – konnte das sein? Das Tor war ebenfalls offen und so betraten wir zögernd das Grundstück.
Tausend wunderbare Erinnerungen wurden plötzlich wach. Wie oft hatten wir während unserer Schulzeit an der POS II in Stenz den Sportunterricht zu Herrn Schlereth in die Grünmetze verlegt! Die Wettfahrt mit den Rädern, um die besten Einsitzer zu ergattern… Der Spaß auf dem Wasser und der „Nervenkitzel“ in der Nähe des Wehres… Hangeln auf die kleine Insel, zu Fuß auf die große Insel und der Gaudi mit der Drehwippe… Die wunderbaren ellenlangen Kettenschaukeln auf der „anderen Seite“ in den Bäumen…Die vielen Hochstände entlang des Ufers, die unsere Abenteuerlust und Phantasie beflügelten… Die Gegenwart sieht anders aus. Logischer Weise haben 30 Jahre seit der „Stilllegung“ ihre Spuren hinterlassen. Wunderbar war jedoch die Chance, mit einem Ruderboot und meiner Tochter doch noch einmal kurzzeitig in die Vergangenheit einzutauchen. Wir haben sie genutzt.
Fotos aus der Kinderzeit dokumentieren den Aufenthalt mit „Kind &Kegel“ vor allem zu Pfingsten an diesem wunderbaren Ort. War es an der Anlegestelle noch laut und auch ein wenig hektisch, erlebt(e) der Bootsfahrer nach der ersten Kurve das Wunder der Stille bzw. hört(e) er nur noch die Stimmen der Natur. Schön wäre eine Wiederbelebung , aber unser heutiges bürokratisches Deutschland macht das einfach unmöglich (Ich sage nur TÜV & Versicherungen) Schade, aber leider die Realität. Trotzdem: schönes Unerwartetes!
Nun ist dieser Bereich der Pulsnitz wieder im Gespräch. Das Wehr, das all diese schönen Erlebnisse möglich gemacht hat, steht zur Disposition. Wasserwirtschaftliche Anlagen unterliegen einem hohen Verschleiß. So sind Sanierungsarbeiten fällig. Im Zuge der Planungen dafür werden natürlich auch aktuelle Naturschutzaspekte betrachtet und wenn möglich eingearbeitet. Im konkreten Fall galt es, den Fischen eine Treppe einzurichten, damit sie flussaufwärts wandern können. Der Plan stand, Bäume wurden im Uferbereich für die Baufreiheit gefällt – und dann kam das „STOPP“ der unteren Naturschutzbehörde.
In diesem Bereich soll/muss Größeres geschehen! Das Wehr muss gänzlich verschwinden! Da der Fluss aber an dieser Stelle eine gewachsene Basaltbarriere durchbricht, ist es allerdings mit einem einfachen Abriss nicht getan. (Unsere Vorfahren waren schon vor 400 Jahren in Bezug auf das Erkennen von geografisch/geologisch günstigen Platzen für Flusssperren keine kleinen Dummen!) Auf ca. 500 m Länge soll das Flussbett so umgestaltet werden , das die rund 4m Höhenunterschied „sanft“ ausgeglichen werden. Kein Rückstau mehr, jetzige Flussinseln verlanden, der Uferbereich wird komplett neu gestaltet, ebenso das gesamte Flussbett und die natürliche Basaltbarriere wird mit Betonsteinen verkleidet. Für die Baufreiheit müssen zahlreiche alte, aber gesunde Bäume gefällt werden. Ersatzpflanzungen sind natürlich vorgesehen - auf der Röhrsdorfer Flur in Form von Obstgehölzen!
Nun komme ich doch ins Grübeln: Ein intaktes Ökosystem wird hochfliegenden, aber völlig unnötigen wasserwirtschaftlichen Plänen geopfert. Eigentlich unglaublich! Es ist klar, dass es einfachere Lösungen gibt, die die Fischwanderung ermöglichen – und dazu noch wesentlich kostengünstiger sind. Sicher, jede Zeit hat ihre Veränderungen und Baumaßnahmen, die von der jeweiligen Gegenwart kritisch bewertet/betrachtet werden. Ich meine trotzdem, wir sollten den „Wasserbauern“ sehr genau auf die Finger schauen bei ihrem Planen & Tun und sie mit unserer zwar laienhaften, aber vom gesunden Menschenverstand geprägten Meinung deutlich konfrontieren. Wir stehen mit dieser Haltung dem „Fortschritt“ keinesfalls im Wege.
Ich hoffe , dass viele von uns die Veröffentlichungen in der Zeitung und ausgehangene Pläne im Rathaus beachtet haben und so unser Mitwirkungsrecht umgesetzt haben und bis Freitag noch umsetzen - wir sind ja dazu aufgefordert!


