Eigentlich Unerträgliches

Sonntag, 5. Juni 2011

Wir ihr von den Seiten vorher wisst, waren meine Frau und ich für ein Jahr in Qatar als "Edelsklaven" arbeiten. Gestern nun haben wir  abends eine ausführliche Dokumentation über den Burj Kahlif, das aktuell höchste Gebäude auf der Erde ,  in Dubai gesehen. Dekadenter und menschenverachtender geht es eigentlich nicht. Haben wir wirklich keine anderen Sorgen in der Welt, als Menschen an Seilen in 500 - 200 Meter bei dort herrschenden Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h an der Fassade entlang klettern zu lassen, um Fenster zun putzen und Lampen zu wechseln, damit dieser Wahnsinn auch immer recht schön aussieht? Der Energie - und Wasserverschwendung sollte mal wenige tausend Kilomenter südlich den Bewohnern des Afrikanischen Kontinents erklärt werden. Da erlebt der Zuschauer "Bewohner" die sich Handwerkern gegenüber wie Sklavenhalter aus dem 18./19.JH in Nordamerika aufführen, und die Männer dann loben , wenn sie all die schikanösen Arbeitsanweisungen artig erfüllen. Was bleibt denn dem von seiner Familie getrennten Inder, Nepalesen, Pakistani, Indonesen usw. auch übrig? Permanent von Ausweisung bedroht, sind die 1,50 Euro Stundenlohn immer noch sooo viel mehr, als sie zu Hause verdienen würden. Ich muss aufhören, sonst ...


Gleichzeitig hat der letzte G8 - Gipfel beschlossen, den jungen "Demokratien" in Agypten und Tunesien die Schulden teilweise bzw. vollständig zu erlassen. Das wurde uns in einer kleinen Mitteilung so ganz nebenbei mitgeteilt. Vorreiterin dabei war/ist unsere aktuelle Kanzlerin. Deuschland/Europa hat es ja! Das geschieht für Staaten in Nordafrika, während die Ölscheichs Millarden  in oben genannte völlig überflüssige Prestigobjekte investieren! Ich muss nun wirklich aufhören, sonst...



Gepilgertes

Montag, 25. April 2011

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die Sächsische Landesausstellung hat in diesem Jahr die "VIA REGIA" zum Thema. Nun ist ja meine Heimatstadt seit mehreren Jahren sehr engagiert mit diesem Thema beschäftigt. Ausserdem sind wir ja Etappenort des Jakobsweges mit einer der urigsten Pilgerherbergen auf der ganzen Strecke - dem Stenzer Armenhaus.                                             


Während der Zeit der Landesausstellung in Görlitz gibt es auch bei uns eine Sonderschau. Im sogenannten Klinkerbau am Stadtpark sind die zahlreichen Modelle der Architekturwerkstatt des Heimatvereins zu sehen/zu bestaunen. Alle haben eine Gemeinsamkeit: es sind markante Gebäude entlang der Via Regia - mittlerweile von Polen bis nach Franken/Hessen!                                                                   


Also fand ich es an der Zeit, in Vorbereitung der Betreuung dieser Ausstellung an den Wochenenden mal selbst Pilgerluft zu schnuppern.Die Ostertage boten dazu Gelegenheit - sowohl von der Zeit her wie vom inhaltlichen Rahmen. Am Karfreitag sind meine pilgererfahrene Tochter und ich also in Panschwitz- Kuckau zu einer ausgeschriebenen Tagesetappe aufgebrochen. Über die Orte Dürrwicknitz und Nebelschütz erreichten wir den Kamenzer Ortsteil Wiesa. Wir bestiegen den Hutberg samt erhöhtem Turm und konnten so sehen, woher wir gekommen waren und wohin wir noch zu laufen hatten.                                                                                             


Selbst solch ein einmaliger und relativ kurzer Fussmarsch hat etwas Besonderes. Wir haben uns während der 6,5 Stunden über Persönliches, Lokal-und Weltpolitisches, Banales, Wichtiges, Witziges, Ernstes unterhalten. Dass Gute an diesen Gesprächen war, dass keiner der Partner anderes "Wichtiges" vorschieben konnte, wenn es mal heikel wurde. So sind einige Dinge mal richtig geklärt worden. Also empfehle ich eine solche Aktion sehr, um Probleme vielleicht gar nicht erst ernst werden zu lassen. Wir hatten natürlich Superwetter zum Wandern. Bei Regen/Niesel wäre unser Weg sicher einsilbiger verlaufen... 

Besonderes

Samstag, 12. März 2011

Im Moment bin ich das absolute Gegenteil von "unterwegs"- eine starke Erkältung fesselt mich nicht direkt ans Bett, aber doch zumindest an die Wohnung. Lust-und antriebslos erledige ich Schreibtischarbeiten - und höre "MDR -Figaro". Etwas zum Leidwesen meiner Familie , aber teilweise konnte ich sie schon vom werbefreien, entschwafelten und entbanalisierten Rundfunkangebot überzeugen. Aber selbst für mich ist es an solch langen Tagen zu Hause irgendwann genug...


Nun gibt es bei diesem Sender wiederkehrende Rubriken, ähnlich wie bei einer Zeitung. Eine davon ist "Die Kolumne". Die von gestern fand ich so bemerkenswert, dass ich sie mir ausgedruckt habe. Dabei kam mir dann auch der Gedanke der Weiterverbreitung, der sich sicher mit den Intentionen des Verfassers deckt. Ich betone ausdrücklich: Ich bin nicht der Verfasser, Infos zu diesem gibt es nach dem Text! Und nun viel Spaß beim Lesen.


 




Die allmähliche Befreiung meiner Gedanken beim Spazieren


Zu den abstrusen Erfindungen der Neuzeit gehört der "Coffee-To-Go". Selbst beim Spazierengehen tut man noch so, als ob man keine Zeit habe. Und herauskommt das Gegenteil. Selbst beim Spazierengehen muss man jetzt vor allem auf Nebensächlichkeiten wie die achten, mit dem heißen Zeug nicht zu schlabbern. Lasst das sein. Genießt den Kaffee im Sitzen und lehnt euch dabei zurück. Schaut dabei – um Gottes Willen – auch nicht ins Fernsehen. Dort zeigt man euch nicht die weite Welt, sondern nur enge Gassen, in denen wir Menschen sehen, von denen wir nicht wissen, was sie denken, und die mit Waffen hantieren, von denen sie nicht wissen, wen sie damit treffen. Da schauen unmündige Bürger unmündigen Aufständischen zu, und man darf fragen, was aus der Aufklärung geworden ist, vor allem hierzulande, wo die Medien ihren Konsumenten keine Chance zum eigenen Denken geben.


Unentwegtes Flimmern


Man lässt uns keine Zeit. Unentwegt flimmern bunte Bildchen über den Fernsehschirm und permanent nehmen Schlauberger in Talkshows zu Themen Stellung, die sie nicht besser kennen als wir und die sie vergessen haben, wenn sie in der nächsten Runde sitzen und dann nicht mehr über einen Kriegseinsatz in Afghanistan oder Nordafrika schwadronieren, sondern sich plötzlich mit Fußnoten von Doktorarbeiten auskennen und immer schon gewusst haben, dass in der Wissenschaft Plagiate an der Tagesordnung sind.


Das Talent der Wahrnehmung


Natürlich haben wir längst den Mut, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen, aber wir nehmen uns nicht die Zeit, es zu tun. Wir schauen jeder neuen Sau nach, die von den Medien durch das Dorf gejagt und dann so schnell vergessen wird wie die letzten Siege von Bayern München. Wenden wir unseren Kopf weg von dieser medialen Überreizung und erinnern wir uns an das vorzüglichste Talent, das uns mit auf den Lebensweg gegeben worden ist, das Talent der Wahrnehmung, das uns die Schönheit der Natur erkennen lässt und dabei Freude bereitet. Das steht schon bei Aristoteles, der in diesem sinnlichen Vergnügen den Grund sah, der Menschen nach Wissen streben lässt.


Die "Winke der Natur"


Mit der Wahrnehmung von Erscheinungen zu beginnen, die uns umgeben – die Farben des Himmels und die Stimmen der Vögel im Frühling –, diesen Schritt empfiehlt auch Heinrich von Kleist, um den eigenen Verstand zu bereichern und zu üben, wie er im Jahre 1800 schreibt. Er zeigt, wie die "Winke der Natur" uns helfen, "recht eigentlich unsern Verstand zu gebrauchen".

Die Gedanken werden sich melden


Natürlich treibt der Dichter keine Physik, aber er macht Menschen Mut, ihren Gedanken die Chance zu geben, sich zu melden. Man kann sie mit den Wahrnehmungen der Sinne hervorlocken, zum Beispiel beim Spazierengehen mit offenen Augen, ganz allmählich und ohne "Coffee-To-Go". Die Gedanken werden sich melden, und mit ihnen erfasst uns ein Gefühl der Zufriedenheit. Zeit für einen Kaffee, um sich zu freuen und darüber zu sprechen.


Über den Autor


Ernst Peter Fischer, geboren 1947 in Wuppertal, studierte Mathematik und Physik in Köln sowie Biologie am California Institute of Technology in Pasadena (USA). Er habilitierte 1987 im Bereich Wissenschaftsgeschichte. Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter "Laser – Eine deutsche Erfolgsgeschichte von Einstein bis heute" (2010) und "Das große Buch der Evolution" (2008).






Wintergasse

Freitag, 31. Dezember 2010


    
Da bin ich doch noch einmal! Unterwegs waren wir nicht. Aber die  Nachbarn Annelies und Eberhard haben uns Bewohner der Hinteren Gasse mal wieder überrascht. Vom 28.12. bis 30.12. haben sie die Schneeberge bei uns illuminiert und so zahlreiche Anlieger und einige Zufallsgäste in die abendliche Kälte gelockt. Gestern nun gabs zwischen 17:00 und 20:00 ordentlich Glühwein und Bratwurst vom Grill. Danke euch beiden für die Idee, so kreativ und locker  mit den Massen an weißem Sch... umzugehen!

Zeitreisende

Samstag, 20. November 2010

Wir waren gestern abend auf "Zeitreise", meine Frau und ich. Um die 40 Leute wollten mehr über unser Jahr in Qatar wissen- nach 2 Jahren!

In unserem Nachbardorf Reichenau gibt es einen rührigen Heimatverein. Anfang der 2000er Jahre haben die Mitglieder das örtliche ehemalige "Armenhaus" behutsam renoviert und zur Versammlungs,- Feier- und Übernachtungsstätte für Pilger gemacht.

So fanden wir uns  in einem total urigen,gemütlichen und von Ofenwärme durchzogenem Raum/Haus wieder. Alle Plätze waren besetzt und in angenehmer Enge haben wir mit Wort und Bild von unserem Aufenthalt und der Arbeit dort berichtet. Über 2 Stunden waren wir im Gespräch mit den Gästen! Was da in uns selbst alles an Erinnerungen und Episoden wieder wach wurde... Und auch das Fernweh ist wieder erwacht ... Vielen Dank für die Einladung, liebe Familie Welk!   


Herbstlich-Schönes...

Freitag, 8. Oktober 2010


Heute morgen auf der Hunderunde durch die Aue bei mir zu Hause kam mir unwillkürlich Friedrich Hebbel in den Sinn:     

                                 Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum
und von den Zweigen fern und nah 
fall`n Früchte ab von jedem Baum.
Oh stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält.
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
 
Natürlich ist es nicht so ruhig und beschaulich geblieben - ich wünsche uns allen trotzdem noch viele solche "magische Momente"...
                                        


Hochwässriges

Montag, 27. September 2010


Ich erinnere mich mindestens 40 Jahre zurück: Die Pulsnitz war über die Ufer getreten und hatte die ganze Wiese entlang der Bleiche überschwemmt... Wir haben Balken und Bretter herbeigeschleppt und ein Floß gebaut - was für ein Abenteuer!

Der selbe Anblick heute lässt mich ganz anderes denken: Wenn es hier schon so dicke kommt, was wird da erst in Stenz los sein? Bloß gut, dass es dort noch die großen Wiesen gibt, da kann es sich etwas verteilen...

Ich wünsche allen, die "nah am Wasser gebaut" haben, dass es glimpflich abgeht!