Bau-Schaumiges - eine Glosse

Donnerstag, 14. Juli 2011
Erinnern Sie sich noch an die Zeiten ohne den meist gelben „Wunderbaustoff“? Fenster wurden mühevoll eingeputzt, Durchbrüche mit Kleinstkellen aufgefüllt etc., etc. Bauschaum erleichtert ohne Zweifel Bauarbeiten aller Art. Auch zum kreativen Gestalten von größeren und kleineren Geschenken ist er äußerst nützlich.

Seit einiger Zeit gibt es aber mit diesem wunderbaren Material Probleme. Zumindest in Königsbrück in der Filiale eines Bau- und Gartenmarktes. Der „Stoff“ wurde als so brisant eingestuft, dass er nur noch unter Verschluss präsentiert wird! Ein freundlich formuliertes Schild informiert den Kunden, dass „veränderte Abgabebedingungen“ die persönliche Ausgabe durch das Verkaufspersonal nötig machen und die Kundschaft möge sich doch bitte an der nächsten Theke melden. Dort auch tatsächlich jemanden anzutreffen, ist Glückssache, denn der Markt ist groß und die Kunden wollen immer irgendetwas wissen…

Nun, ich hatte Glück. Die Kollegin verstand auch durchaus mein Ansinnen, konnte mir aber nicht wirklich helfen. Sie sei nicht berechtigt, mir das Gewünschte auszuhändigen. Aber sie würde die berechtigte Kollegin gleich per Telefon herbeirufen. Gesagt – getan und prompt kam die extra geschulte Kollegin mit dem Schlüssel.

Nun ist ja Bauschaum nicht gleich Bauschaum. Verschiedene Anwendungsgebiete fordern verschiedene Mischungen und auch die Verarbeitungstechnologien sind unterschiedlich. Zu ihrem Bedauern konnte mir die extra geschulte Mitarbeiterin diesbezüglich nicht weiterhelfen. Sie verwies mich an einen der „Männer“ im Markt.

Dieser war auch zufällig in der Nähe. Leider stand ich auf seiner persönlichen Kundenabarbeitungsliste erst auf Platz drei, was mich dann veranlasste, aus Zeitgründen ohne Rat vom Fachmann den Kauf abzuschließen. Sie sehen, verehrte Leserschaft, auch der Kauf von Bauschaum kann zum „Event“ werden…

Ich möchte um Himmels Willen nicht missverstanden werden. Das Personal des Baumarktes tut sein Bestes, um die Kundschaft zufrieden zu stellen. Leider gibt es – wie so ziemlich überall – eine Chefetage, die fern jeder Realität und ohne praktische Erfahrung agiert. Die jetzige Regelung erzeugt Frust bei Kunden und Mitarbeitern.

Wundersames...

Sonntag, 14. Februar 2010

Die Reise nach Israel hatte einen offiziellen/ dienstliche Hintergrund. 20 Lehrer aus ganz Sachsen sollten vor Ort über die "Shoah" - die Ermordung von über 6 Millionen europäischen Juden ab 1942 umfassend informiert werden. Die Gedenkstätte YAD VASHEM erstreckt sich auf einem Hügel über eine riesige Fläche. Die verschiedenen Formen des jüdischen Widerstandes und Leidens werden in zahlreichen Denkmalen und Gedenkstätten gewürdigt. Diese entstanden ab den 1960er Jahren - und es gibt weitere Pläne für die Zukunft.

Nun ist das Thema für Deutsche besonders belastend. Wurde und wird uns doch von Kindesbeinen an die Kollektivschuld vermittelt und aufgebürdet. Auch die Vorbereitung hier in Deutschland war genauso angelegt. Nun waren wir also da mit all den Schuldgefühlen. Und da geschah etwas äußerst Verwunderliches: Niemand machte uns Vorwürfe, nicht einmal unterschwellig oder hintergründig! An 8 prall gefüllten Tagen wurden uns Neuigkeiten und Sichtweisen nahegebracht, die die Vermittlung dieses Stoffes durch uns beteilgte Lehrerinnen und Lehrer im Geschichts-, Ethik- , Religions- und Deutschunterricht massiv verändern werden. Das Leben der Ermordeten steht im Mittelpunkt, nicht Grausamkeiten und die Perfidität der faschistischen Vernichtungsmaschinerie! Die Begegnung mit insgesamt 5 Überlebenden (3 Frauen, 2 Männer) waren dann psychisch für uns alle doch extrem belastend. Aber selbst hier nicht die Spur eines Vorwurfes an uns als Deutsche!

Eine weitere ganz wichtige(unterschwellig bekannte) Tatsache wurde intensiv vertieft:  den Antisemitismus gab es schon lange vor den Nazis  und er war mit Kriegsende nicht plötzlich verschwunden! Im Gegenteil: erschütternde Beispiele aus Polen und Großbritannien waren mir so bisher nicht bekannt. Für das selbstgeißelnde offizielle deutsche Geschichtsbild ein Tabuthema...

Die größte Fläche steht in Yad Vashem für die Ehrung der "Gerechten unter den Völkern" zur Verfügung. Das sind Personen, die durch ihr Handeln Juden vor der Ermordung bewahrt haben bzw. diese verzögert/ hinausgeschoben haben. Über 24000 Namen und Geschichten sind geprüft und anerkannt. Und für jeden wurde und wird auf dem Hügel ein Baum gepflanzt...

Mein erstes Fazit nach dieser Reise:Die Medien in Deutschland verfahren mit Informationen über Israel/ die gesamte Region Naher Osten wie mit Arabien: Nur das Nötigste für "das Volk, den großen Lümmel" (H. Heine) und dann möglichst Abschreckendes und Demütigendes...

vorläufig Abschließendes...

Samstag, 5. Juli 2008

Die Umlaute im Text und das "ß" zeigen es an: Deutschland hat uns wieder! Ohne Übergang greift der Alltag mit gieriger Kralle nach uns. Haus , Hof und Hund brauchen permanente Betreuung. Frühere Aktivitäten (Sport u.a.) leben wieder auf. Der wesentlichste Unterschied zu unserem Leben in den letzten 11 Monaten: Wir können  und müssen uns ständig bewegen - und das größtenteils im Freien! Herrlich!

Sollten wir wiedermal "Unterwegs" sein, gibt es wieder einen Eintrag. Unser Alltag ist aber so wenig spektakulär, dass ich darüber nicht extra berichten muss. Vielen Dank für das gezeigte Interesse . Für Viele gilt ja nun wieder : "Man sieht sich!" ... 

Heimatliches...

Mittwoch, 2. Juli 2008
Es ist vollbracht! Nach Überwindung etlicher Qatarisch- bürokratischer Hürden und 10 Stunden Reisezeit sind wir heute 10.15 in Dresden Klotzsche gelandet! "Hach, ist der Rasen schön Grün!..."könnten wir unentwegt ausrufen. Aber nicht nur der Rasen, alles hier in Deutschland zeigt Farbe und Frische. Welch ein Unterschied zum Land am Arabischen Golf...

Leckeres...

Montag, 30. Juni 2008

Es gab gestern ein Abschiedsessen. Zusammen mit meinen Mitstreitern fuer 11 Monate waren ich Aegyptisch essen. Bis auf einen kommen alle aus diesem Land.  Lammkeulen, gegrillter Fisch, Berge von Reis, Fladenbrot, Kartoffeln, Ladyfingers (Gemuese), Vorspeisenplatten und Getraenke  fuer 10 Personen - Gesamtpreis 65 Euro. Ade, du schoene preisguenstige Welt...

Sandiges

Sonntag, 9. März 2008

OK, wir also mal richtig in der Wueste. Mit unserem kleinen Nissan TIIDA konnten wir sie ja bisher nur "ankratzen'. Also sollten es die Profis richten. Na ja, es bleibt doch alles relativ. Aber mal ein wenig der Reihe nach.

Am zeitigen Nachmittag (14.00) beginnt der Trip mit der Abholung und einer ca. einstuendigen Anfahrt. Meine Frau und ich  wussten allerdings, wohin es geht. Fuer wirkliche Touristen ist diese Fahrt mit Sicherheit schon beeindruckend. Dann folgt ein 5-Minuten "Ritt" auf einem Wuestenschiff - sprich Kamel. Es ist einfach zu kurz, um sich eine wirkliche Meinung bilden zu koennen. Spass macht das Auf -und Absteigen (und vor allem das Beobachten der anderen dabei!) allemal. In der Zwischenzeit wurden die Jeeps durch Reduzierung des Reifenluftdrucks auf die Duenensafari vorbereitet. Was dann kommt, deckt sich mit den Beschreibungen in den Prospekten. Es findet tatsachlich eine wahre Achterbahnfahrt mit den Jeeps statt. Mehr ist da wirklich nicht zu beschreiben, dass muss man erleben! Unser Fazit: ein absolut lohnenswertes Erlebnis fuer alle, die "seefest" sind und noch ein wenig Spass an Action haben. Nach fast 2 Stunden brettern (manchmal 100 -120km/h!) durch Wadis, hinabdriften von gewaltigen Duenenhaengen und traumhaften An - und Aussichten einer echten Sandwueste in Kombination mit Wasserarmen des Arabischen Golfes erreichten wir dann das Camp fuer die Nacht.

Es hat irgendwie etwas Unwirkliches, wenn nach einer steilen Anfahrt ploetzlich eine kleine Zeltstadt mit Campingmoebeln. plamblaetterbedeckten Sonnenschirmen am Strand und Plastikliegen etc. auftaucht. Eine Mischung aus Suedseeatmosphaere und deutschem Campingplatz. Tische Stuehle und Liegen jeweils ordentlich in Reihen ausgerichtet... "Das ist das Essenszelt, dass ist das Aufenthaltszelt, das sind die Uebernachtungszelte... Barbeque am Abend um 7:00, Lagerfeuer an halb 8, Fruehstuck bis halb 8 morgens, danach ist zuegig Abfahrt..." waren eigentlich auch typisch 'deutsche' Ansagen der Veranstalter. - Ich habe natuerlich das Klischee des typischen Deutschen bedient und mich sofort in die Golffluten gestuerzt. Es war sehr angenehm und fuer uns ost - und nordseegewohnte Europaeer absolut kein Problem, in 20 Grad warmen Wasser zu schwimmen. Jeder 'outet' sich eben so gut er kann...

Zuvor hatten wir unsere Unterkunft bezogen: ein grosses Zelt mit insgesamt 5 Schlafplaetzen fuer uns 3. Von der Seite her also ganz angenehm. Aber nun beginnen die 'relativen' Seiten des Abenteuers. Noch waehrend der Daemmerung nahm ein Stromgenerator seine Arbeit auf. Treibstoffkosten spielen ja keine Rolle. So kann der Stromerzeuger ja nicht gross genung ausfallen -und damit auch laut genug! Ausserdem reicht die erzeugte Stromstaerke zum Betrieb von unzaehligen Lampen, um die Wueste taghell zu erleuchten fuer Aktivitaeten wie Tischtennis, Volleyball, Duenenboarden (mit einem herkoemmlichen Snowboard). Aus dem privaten Nachbarcamp haemmerte Technosound herueber. Meine Frau und ich haben dann die wirkliche Romantik einer Sternennacht in der Wueste etwas ausserhalb des Camps doch noch gefunden...

Mit dem Sonnenaufgang um 6:02 erwachte auch das Camp zum Leben. Heisses Wasser fuer einen Morgen (Ness-) kaffee  oder -tee stand bereit. Das fette Stueck Palmenstamm im Lagerfeuerplatz vom Vorabend glimmte immer noch vor sich hin und 2 Unentwegte hatten die Nacht am Feuer verbracht (nicht wir!). Die Ruechfahrt begann dann tatsaechlich nach einem sehr kurzen Fruehstueck  07:30. Andererseits, es hat auch sein Gutes, wenn man am ersten Wochenendmorgen  08:30 Uhr zu Hause ankommt. Da geht noch viel!

   

Alltaegliches, un(d)menschliches ...

Montag, 7. Januar 2008
Wie gesagt, wir leben nun in Doha. Es gibt im Emirat Katar vier weitere nennenswerte Siedlungen: Al Wakrah und Messaleed suedlich der Hauptstadt, Al Khor noerdlich und Dukhan an der Westkueste. Es ist eines der kleinsten Golfemirate und gilt als das reichste Land Asiens(!). Waehrend in der Vergangenheit das erfolgreiche Tauchen nach Perlen und der Handel fuer Wohlstand sorgten, ist es seit den 50er/60er Jahren das Erdoel gewesen, das fuer wirklich unermesslichen Reichtum sorgte. Jetzt kommen noch gewaltige Lagerstaetten von Erdgas dazu - Finanzfuerst, was willst du mehr ?

In diesem Land spielt also Geld fuer den Staat keine Rolle. Ein neuer Hafen fuer 3 Milliarden Dollar? Wird geplant und gebaut! Eine 40 km lange Bruecke nach Bahrein fuer 40 Milliarden? Kein Problem! Die Liste laesst sich ziemlich lange fortsetzen. Mehr dazu unter www.english.qatarinfo.net. Dagegen ist ja prinzipiell nichts einzuwenden, wenn viele, ja moeglichst alle Menschen davon profitieren.

Doch Sie kennen den Satz: "Geld verdirbt den Charakter". Und so geschieht es auch hier. Vor allem Bauarbeiter aus Asien (Indien, Pakistan, Malaysia, Nepal, Vietnam, usw. ) setzen die gigatischen Projekte in die Tat um. Kein Katari ruehrt wirklich eine Hand dafuer. Behandelt werden diese Menschen aber eigentlich wie Sklaven. Sie leben getrennt von ihren Familien zusammengepfercht in "Camps" irgendwo ausserhalb und fast unsichtbar. Sie werden taeglich in mehr oder weniger alten Bussen zu den Baustellen und zurueck gekarrt. Sie erhalten einen Hungerlohn, der aber leider immer noch wesentlich hoeher ist als die moeglichen Einkommen in der Heimat, so dass sie ihre Familien davon mit ernaehren koennen. Ansonsten werden sie mit Verachtung gestraft.

Diese Maenner verbringen ihre freien Tage hauptsaechlich damit, auf oeffentlichen Plaetzen im Schatten zu sitzen und zu warten, dass die Zeit vergeht. Mit groesster Wahrscheinlichkeit ist ein Stueck Rasen oder ein Bordstein irgendwo im Schatten immer noch besser als ihre Unterkunft. Die Welt ist noch lange nicht gerecht…